Heimat [mittelhochdeutsch heim(u)ot(e), althochdeutsch heimuoti, heimōti, zu Heim], eine teils vorgestellte, teils real angebbare Gegend (Land, Landschaft oder Ort), zu der – aufgrund tatsächlichen Herkommens oder vergleichbarer »ursprünglicher« Verbundenheitsgefühle – eine unmittelbare und für

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Begriffsinhalt und Begriffsgeschichte

In ethologischer und anthropologischer Hinsicht reflektiert Heimat zunächst ein Bedürfnis nach Raumorientierung beziehungsweise Zugehörigkeit, nach einem Territorium, das für die eigene Existenz Identität, Stimulierung und Sicherheit bieten kann (P. Leyhausen * 1916, † 1999). Dabei sind die Auffassungen darüber, ob der Mensch hier eine gewisse Sicherheit braucht oder er aber gerade dadurch gekennzeichnet ist, dass er sich über diese Raumzugehörigkeit hinwegsetzen kann (H. Plessner: »Exzentrische Positionalität«), jedoch unterschiedlich und zeitbezogen. In existenzphilosophischer

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Der Heimatbegriff in der europäischen Ideengeschichte der Neuzeit

Für die Veränderungen des Begriffs Heimat in den letzten Jahrhunderten haben im Rahmen der europäischen, speziell der deutschen Entwicklung verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt. Bedeutsam war z. B. die Entstehung der neuzeitlichen Territorialstaaten, eine Entwicklung, die mit den Staatsgründungen in frühabsolutistischer Zeit begann und mit dem Programm der nationalen Einigungen (Griechenland, Italien, Polen, Deutschland) im 19. und frühen 20. Jahrhundert zunächst ihren Abschluss fand, sich dann aber wieder im Anschluss an die politische Neuordnung Mittelosteuropas nach 1990 als wichtiger und durchaus schwieriger

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Der Wandel des Heimatverständnisses in der Bundesrepublik Deutschland

Darauf, dass Heimat unter den Rahmenbedingungen moderner Industriegesellschaften nicht allein unter dem Aspekt der Regression zu betrachten ist, hat E. Bloch, nicht zuletzt durch Jugendbewegung und »Wandervogel« angeregt, bereits zur Zeit des Faschismus als einer der Ersten hingewiesen. Nach den Exzessen der Heimatpropaganda und den u. a. auch mit

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Heimat und Regionalität

Im Laufe der 1960er-Jahre setzte eine kritische Neubeschäftigung mit dem Begriff Heimat ein. Diese neuen Ansätze bezogen u. a. aus den in den zentralisierten Staaten Europas (Frankreich, Spanien, Großbritannien) entstandenen Bestrebungen um regionale Autonomie (Korsen, Basken, Katalanen, Schotten) ihre Anregungen und standen in Wechselwirkung mit einem durch die fortschreitende Zerstörung der Umwelt im Wachsen begriffenen ökologischen Bewusstsein (z. B. Proteste gegen den Bau von Kernkraftwerken, Autobahnen und andere Verkehrsgroßprojekte), das sich ebenfalls zunächst regional manifestierte. In dieser Haltung kommt – angesichts immer abstrakter

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Die Instrumentalisierung des Heimatbegriffs in der DDR

Wie andere kulturelle Konzepte wurde auch der Heimatbegriff durch die SED von Anfang an ideologisch und politisch instrumentalisiert. Damit war er einerseits dem Doktrinenwechsel der offiziellen Staatsideologie unterworfen, andererseits aber immer auch wieder Ausdruck gesellschaftlicher Impulse und entsprechender Verhaltensmuster und (zum Teil

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Perspektiven

Gegenwärtig können vier Aspekte aufgeführt werden, unter denen der Begriff Heimat und die damit verbundenen Vorstellungen eine Rolle spielen, und die ihrerseits auf Zusammenhänge und Prozesse zurückverweisen, die in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Gesellschaften zu Beginn des 21. Jahrhunderts wirksam sind:

1) Politische Integrationsbestrebungen (z. B. im Rahmen der EU) und die Globalisierung haben das Bewusstsein für und das Bedürfnis nach überschaubaren Nahbereichen verstärkt, sodass sich regionale Orientierungen bis hin

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Quellenangabe
Brockhaus, Heimat. http://www.brockhaus.de/ecs/enzy/article/heimat