ethnische Konflikte, auch interethnische Konflikte, ethnopolitische Konflikte, Minderheitenkonflikte, Bezeichnungen für Auseinandersetzungen, in denen die Berufung auf ethnische Zugehörigkeit oder Interessen die Grundlage sozialer Zusammenstöße, Parteiungen und Zielvorgaben darstellt. Die ethnische Zuschreibung kann unter Umständen verschärfender, legitimierender oder ideologisierender Faktor in bereits durch andere Problemfelder (soziale Spannungen, Grenzfragen und Gebietsansprüche, politische Partizipation) bestimmten Konflikten sein.

Soziale Gruppen werden als Ethnien oder Volksgruppen

(60 von 435 Wörtern)
Möchten Sie Zugriff auf den vollständigen Artikelinhalt?

Ursachen und Hintergründe

Das Zusammenleben in fest eingegrenzten, sich als Nationalstaaten verstehenden politischen Einheiten hat sich – von Europa ausgehend – erst im 19. und 20. Jahrhundert weltweit verbreitet. Die Zahl der Nationalstaaten wuchs insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg durch die Aufteilung des Osmanischen Reiches und Österreich-Ungarns (1918), während der 50er- und 60er-Jahre im Zuge der Entkolonialisierung v. a. Afrikas

(53 von 374 Wörtern)

Motive und Zielsetzungen

Ethnische Gesichtspunkte, besonders die gemeinsame Religion, Geschichte und Kultur, werden häufig dafür instrumentalisiert, als identitätsstiftende Elemente ganze Gruppen hinter ihren Führern zu vereinen. Das Individuum erfährt dann die Interpretationsmuster, die ihm die Unterscheidung zwischen der Wir-Gruppe und der Ihr-Gruppe ermöglichen, und die daraus abgeleiteten Handlungsorientierungen über die Sozialisation innerhalb seiner Gruppe als absolute Form einer Selbstlegitimation, die auf der Abgrenzung gegenüber anderen basiert. Ob und in welcher Weise die Abgrenzung zwischen der positiv besetzten Wir-Gruppe und einer eventuellen negativen Sicht

(80 von 781 Wörtern)

Charakteristika des Verlaufs

Ethnische Konflikte weisen in ihren Verläufen mindestens vier Charakteristika auf:

1) Sie besitzen ein extrem hohes Gewaltpotenzial, das bis zum Genozid reichen kann (z. B. die Tötung von bis zu 1 Mio. Tutsi [Hima] und moderater

(34 von 244 Wörtern)

Maßnahmen zur Konfliktregelung

Die Schwere des Konfliktaustrags sowie die Herbeiführung von Regelungen oder gar Lösungen für die dahinter stehenden Probleme hängen davon ab, welches der oben genannten Ziele von der jeweiligen Bewegung verfolgt wird und in welchem Maße die herrschende Gruppe bereit und in der Lage ist, dem entgegenzukommen.

Völkerrechtliche Aspekte: Ethnische beziehungsweise Minderheitenkonflikte sind zwischen rein innerstaatlichen und internationalen Konflikten einzuordnen. Aufgrund dieser Zwischenstellung war und ist eine Regelung der damit zusammenhängenden Probleme durch das Völkerrecht und internationale Organisationen wie UNO, Europarat

(79 von 1021 Wörtern)

Das offene Problem des Separatismus

Die schwierigen Fragen der Sezession und Staatenneubildung, die an den Kern des staatlichen Souveränitätsanspruchs rühren, werden nie vollständig zu normieren sein. Allerdings kann die OSZE mit ihren Verfahren

(28 von 199 Wörtern)

Werke

Weiterführende Literatur:

Handbuch der europäischen Volksgruppen, bearbeitet v. M. Straka (Neuausgabe Wien 1972);
A. D. Smith: The ethnic revival (Cambridge 1981);
O. Kimminich: Rechtsprobleme der polyethnischen Staatsorganisation (1985);
Ethnizität im Wandel, hg. v. P. Waldmann u. a. (1989);
Ethnizität. Wissenschaft u. Minderheiten, hg. v. E. J. Dittrich u. a. (1990);
A. E.
(42 von 293 Wörtern)

Quellenangabe
Brockhaus, ethnische Konflikte. http://www.brockhaus.de/ecs/enzy/article/ethnische-konflikte